Was bist Du wert – Positionierung über den Preis

“Es soll sich aber jeder einen Fotografen leisten können”

Diese Aussage höre ich oft von Kundinnen oder in meiner Community, wenn ich über den Preis spreche und die Frage stelle “Was bist Du wert?”.
Zum Thema Positionierung habe ich Dir im letzten Blogartikel bzw. in der letzten Podcastfolge schon einiges genannt, worüber Du Dich spitzer aufstellen kannst, was für mich dazu gehört und worauf Du achten solltest. Deine Preise gehören hier natürlich genauso dazu. Da das jedoch essentiell für Dein Business ist, schreibe ich gerade diesen Beitrag dazu.

Denn so sehr diese Aussage Dich auch ehrt, dass sich jeder einen Fotografen leisten können soll, so sind doch andere Faktoren entscheidend. Auf der einen Seite natürlich Deine Wunschkunden und das was Du gerne anbieten willst, was Dir wichtig ist, auf der anderen Seite Deine Preiskalkulation. Und die solltest Du auf jeden Fall machen. Als selbstständige Fotografin ist es unabdingbar – was für ein Wort – dass Du Deine Zahlen kennst. Du musst wissen, was Du verdienen willst, um nicht nur die nötigsten Lebenshaltungs- und Businesskosten zu decken, sondern um Dir auch Wünsche zu erfüllen und Rücklagen zu bilden. Und Du musst auch wissen, wie viele Shootings dafür nötig, vor allem aber machbar sind. Denn Selbstständigkeit heißt nicht, selbst und ständig, sondern aus meiner Sicht selbstbestimmt, selbstverantwortlich und das ist ständig gegeben in Deinem Business.

Dein Business – Deine Preise

Und somit darfst Du auch selbstständig entscheiden, mit wem Du gerne zusammenarbeiten willst und wie Du Deine Preise gestaltest – auf Basis Deiner Kosten. Ganz ehrlich, mich macht es immer wahnsinnig, wenn ich in Facebook Gruppen folgende Frage lese: “Ich hab da eine Anfrage für ein Shooting bekommen, das ich normal nicht anbiete, was würdet ihr dafür verlangen?”

Warum ich mich so über diese Frage aufrege? 
1. Warum willst Du etwas fotografieren, was Du normal nicht anbietest?
Sind es absolute Wunschkunden und Du willst in diese Richtung Deine Positionierung ändern? Gut, dann setz Dich hin und kalkuliere Deine Preise. Ist es weder Wunschkunde noch Wunschthema und Du willst auch nicht in diese Richtung gehen? Dann gib den Auftrag an eine Kollegin weiter. Verabschiede Dich von den Ängsten, nicht genügend zu verdienen oder Kunden zu vergraulen. Du musst nicht alles anbieten. Du darfst Dich spitz positionieren. Doch dazu hab ich im letzten Blogbeitrag schon einiges gesagt.

2. Warum fragst Du andere Fotografinnen, was DU verlangen sollst?
Es ist Dein Business, Deine Kostenstruktur und Deine Preise. Da hat keiner mit reinzureden. Nicht mal ich, außer dass ich Dir sage, setz Dich hin und kalkulier Deine Preise 😉
Doch wie hoch Deine Preise sind, bestimmst ganz alleine Du. Ich schreite nur dann ein, wenn ich merke, dass jemand seinen Wert nicht erkennt.

Was bist Du Dir wert?

Denn bei den Preisen geht es nicht alleine darum, was Du gerne verdienen möchtest, welche Zahl am Jahresende auf der Umsatzuhr stehen und wie hoch das Polster auf Deinem Konto sein soll.
Es geht bei der Preiskalkulation auch darum, dass Du Deinen eigenen Wert erkennst. Und hier sind wir bei etwas, das nicht mehr so genau meßbar ist. Denn wie mache ich den (Selbst-)Wert fest? Wieviel bin ich mir selbst wert? Was ist es wert, Deine Zeit für Kunden zu investieren, die Dich und Deine Arbeit zu schätzen wissen? Was ist es wert, dass Du für Deine Kunden Momente auf Fotos festhältst, die schon in einer Sekunde wieder vorbei sind. Was ist es wert, dass Du Deinen Kunden Erinnerungen erschaffst, die über Jahrzehnte lebendig sind. Erinnerungen an Momente, die längst vergangen sind, an geliebte Menschen oder auch Haustiere, die nicht mehr unter uns sind.

Was ist es wert, dass Du Dich gefühlt Tag und Nacht mit Deinem Business beschäftigst? Dass Du Dich hinsetzt und dazulernst, sei es durch ein Tutorial über Bildbearbeitung, einen Blogartikel wie diesen oder einen Onlinekurs oder Workshop, der Dir hilft, von der Fotografie leben zu können.
Was ist es wert, dass Du Dich auf Deine Shootings vorbereitest mit Locationsuche oder der Jagd nach den perfekten Accessoires?

Lass die Selbstzweifel hinter Dir

Ich weiß, dass es schwer ist, auf all diese Fragen eine Antwort zu finden, und doch denke ich, dass Du zumindest ansatzweise zu Dir gesagt hast, verdammt, Stephanie hat Recht. Und sofort im nächsten Moment kamen sie wieder. Diese bescheuerten kleinen Aber und Wenns.
Diese fiesen Selbstzweifel, die immer dann kommen, wenn wir sie nicht brauchen. Doch es ist Zeit, dass Du sie beiseite schiebst. Ich weiß, leichter gesagt als getan. Doch wenn Du das machst, wirst Du dafür belohnt. So wie jetzt erst am Wochenende 2 meiner Kundinnen.
Die eine Familien- und Hundefotografin, macht unglaublich tolle Bilder und setzt super schnell alles um, was wir im Einzelcoaching besprechen. Sie hatte eine Bildpräsentation mit Kunden die noch zu alten Preisen gebucht hatten. Die Kunden waren so begeistert, dass sie direkt dazu gekauft haben und meine Kundin einen Gesamtumsatz von 820 € mit dieser Familie gemacht hat. Vor 3 Monaten noch undenkbar für sie.

Oder wie eine Hochzeitsfotografin, die in meinem Onlinekurs dabei ist, und in letzter Zeit jede Menge Absagen bekommen hat. Die schon kurz davor war aufzugeben und die sofort an sich und ihren Bildern gezweifelt hat. Wir haben dann am Freitag noch einmal gesprochen, hatten ein spontanes Live Coaching in der Kursgruppe und haben direkt ihre Preise “aufgehübscht”, also die Preise so nach oben korrigiert, dass sie ansprechend wirken.
Sie hatte am Samstag ein Kennenlerngespräch, hat sich an die Tipps gehalten und zack – direkt die Buchung für eine Ganztagesreportage von 10 Stunden für 2497,- €.

Natürlich ist es ein hartes Stück Arbeit, seine Selbstzweifel zu beseitigen. Vor allem auch dann, wenn das Umfeld nicht 100% hinter einem steht. Doch wie Du siehst, kann es sich lohnen. Wenn Du den Glauben an Dich und Deine Arbeit, an Deinen Wert nicht verlierst.

Und ja es ehrt Dich, dass Du sagst, dass sich jeder einen Fotografen leisten können soll. Doch dafür gibt es ebenfalls Möglichkeiten. Es gibt diverse Ketten, die deutlich günstiger fotografieren, ebenso wie Hobbyfotografen, die sich gerne ausprobieren oder Du bietest MiniShootingAktionen an. Und wenn Kunden wirklich zu Dir wollen, werden sie es möglich machen.

Danke fürs Lesen.

Du hast noch Fragen dazu? Dann schick mir gerne eine Mail an hallo@stephanieschlicker.de